Philip Emde
. Mirror .. Mirror …
Project Info
- 💙 Grisebach GmbH Fasanenstraße 25 10719 Berlin
- 💚 Dr. Anna Augstein Ballestrem
- 🖤 Philip Emde
- 💜 Honor Westmacott
- 💛 Roman März
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Philip Emde
.Mirror.. Mirrow…
Grisebach, ab 16. Januar
Im Kaminzimmer der Villa Grisebach ist eine Installation aus gedecktem Tisch, Sesseln und Figuren zu sehen, alles auf einem blauem Teppich der mit Monden bestückt durch Raum und Zeit zu fliegen scheint – dazu ein kleines Mondboot. Die Monde werden von einem Pfau, einem Leoparden und einem Affen bevölkert, um den Tisch sitzen weitere Tiere und auch zwischen den Tassen und Tellern tummeln sie sich. Auf den Geländern und der oberen Brüstung schauen Affen wie von den Rängen eines Theaters zu. Wie Statler und Waldorf in der Muppet Show beobachten sie, kommentieren und wundern sich. Dass es sich bei allen Figuren um Steiff-Tiere handelt, ist dabei zentraler Bestandteil der Arbeit von Philip Emde: Die Stofftiere nehmen den Platz des Betrachters – oder Kritikers – vor seinen Werken ein und verkörpern Reaktionen und Emotionen. Sie nehmen es auf sich, Gefühle für uns zu empfinden, so wie sie die Emotionen ihrer ehemaligen Besitzer widerspiegelten. In Emdes Arbeiten machen uns die Tiere bewusst, dass wir gerade Kunst betrachten, lassen uns jedoch in einem Zustand des urteilsfreien Staunens verharren.
Hier nun sitzen Hasen und Affen mit Kronen und Hüten beim Tee, um sie herum turnen kleinere Wesen wie Äffchen, Eichhörnchen, Eulen und Mäuse. Ähnlich wie in Szenen aus Alice im Wunderland oder Hinter den Spiegeln scheinen die merkwürdigen Akteure durch Raum und Zeit zu reisen, vielleicht auf der Suche nach sich selbst. Die drei Malereien in diesem Raum greifen das Thema auf. Welcome (2020) zeigt einen Leoparden, der sich neugierig im Spiegel betrachtet. Um ihn herum liegen Bälle wie modernistische Zeugnisse seiner kindlichen Freude am Spiel, während ihm von oberhalb des Spiegels die drei berühmten Affen „Hear no evil, speak no evil, see no evil“ zurufen. In .What.. IT is… (2021) begegnet uns das Paar aus Leopard und Affe auf einem der Monde wieder. Hier schauen sie gebannt auf eine dichte Wand von gemalten Bildern. Das 20-teilige Werk . The only secret to make IT through .. is to take what’s in front of you ...versetzt uns in eine ähnliche Position, wir blicken auf ein Regal voller Stofftiere, Spielsachen und Bücher. Kindheit prägt: Kind bleiben, erwachsen sein müssen, in der Erwachsenenwelt leben und sich dennoch das Staunen bewahren. Manchmal bleiben nur das Zuschauen und das Kommentieren.
Im hinteren Ausstellungsraum finden wir Papierarbeiten in Acryl. Auch sie greifen Fragen der Selbsterfahrung, Selbstreflektion und des Erwachsenwerdens auf. In ihren Titeln finden wir uns wieder: ... Add some . Point . wünschen wir uns häufig . Wait .. Watchers ... beschreibt ein weiteres Alltagsproblem – oder gleich verschiedene, je nach Lesart.Und ... How long is Forever . Forever .. Forever ... Ever.... Forever ..... Ever ...... fragen sich nicht nur die Tiere im Regal. Auffällig unter den Papierarbeiten ist GATE one ., in dem das Motiv der Maske wieder aufgegriffen wird, die immer wieder in Emdes Werk auftaucht –wir haben sie bereits auf dem Teetisch erspäht. Bedrohlich und starr blickt aus ihr ein menschliches Gesicht. Dabei repräsentiert sie sinnbildlich die Überheblichkeit der menschlichen Zivilisation. Der Affe Mensch hat sie sich übergestreift und geht arrogant und rücksichtslos mit der Erde und dem Ökosystem um, deren Teil er eigentlich selbst ist. Diese Maske wird nicht von Kindern getragen, erst durch gesellschaftliche Zwänge, Normen und Regeln geformt setzen Menschen sie auf. Wenn uns also eine Rückbesinnung auf die Werte der Kindheit gelingt, kann uns dann eine bessere Welt gelingen?
Die Ausstellung .Mirror.. Mirrow…ist eine Reise: down the rabbit hole. Nicht das Ziel, sondern das Unterwegssein zählt. Dabei gibt es Weggefährten, Nebenwege, Kommentare von der Seite. Den Knotenpunkt bildet das Kaminzimmer – ein Raum der Bezüge, der Begleiter und der Wege, die eine Reise mit sich bringt. Wohin sie führt, bleibt offen. For ever and ever. We will see.
Honor Westmacott